Wenn das Baby die Mutter krank macht: Ursache für Schwangerschaftsübelkeit gefunden

Inhaltsverzeichnis

Schwanger sein ist kein Zuckerschlecken. Viele werdende Mütter haben gerade in den ersten Wochen zu kämpfen, denn weltweit leiden von zehn Frauen sieben bis acht unter Übelkeit und Erbrechen. Manche von ihnen sogar so stark, dass sie keinen Bissen bei sich behalten können und das über Wochen, manchmal Monate. Ein prominentes Beispiel: Kate Middleton. Bei allen drei Schwangerschaften war die Frau des britischen Kronprinzen auf Medikamente gegen die Übelkeit angewiesen und bekam Flüssigkeit über einen Tropf gegen Dehydrierung. 

Viel konnte man bisher gegen diese Extremform der Schwangerschaftsübelkeit, auch Hyperemesis gravidarum (HD) genannt, nicht ausrichten. Das könnte sich jetzt ändern. Ein internationales Forscherteam will die Ursache für HG gefunden haben und macht Hoffnung auf künftige Behandlungsoptionen.

Frühere ProSieben-Moderatorin
Annica Hansen will keine Kinder: "Dass Frauen sich sterilisieren lassen, ist noch immer ein Tabu"

Was genau ist Hyperemesis gravidarum?

Einige werdende Mütter trifft die Schwangerschaftsübelkeit besonders stark. Diese Extremform wird Hyperemesis gravidarum genannt. Betroffene müssen sich übermäßig viel Erbrechen oder das Erbrechen lässt sich nicht stillen. Meist setzt HG in der sechsten Schwangerschaftswoche ein und bleibt über Wochen bestehen. Besserung stellt sich oft erst ab der 20. Woche ein, bei manchen noch später. 

Was verursacht übermäßige Schwangerschaftsübelkeit?

Was Hyperemesis gravidarum verursacht, war lange unklar. Jetzt aber will ein internationales Forscherteam die Antwort gefunden haben. Im Rahmen einer Studie wollen sie herausgefunden haben, dass ein Hormon der Übeltäter ist. Das Hormon heißt GDF15. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Wachstumsdifferenzierungshormon, was in vielen Organen in niedriger Konzentration hergestellt wird. Die Rezeptoren für GDF15 befinden sich in dem Hirnareal, das auch für Übelkeit und Erbrechen zuständig ist. Während der Schwangerschaft sorgt der Fötus durch die Eigenproduktion von GDF15 für eine erhöhte Konzentration des Hormons im Mutterleib. 

Die Studienergebnisse legen nahe, dass die GDF15-Konzentration ein wesentlicher Faktor für Schwangerschaftsübelkeit ist. Und: Die Schwere der Erkrankung ist wohl abhängig von der Menge GDF15, dass die Frau vor der Schwangerschaft im Körper hatte."Wir wissen jetzt, dass Frauen während der Schwangerschaft unter Übelkeit leiden, wenn sie höheren Konzentrationen des Hormons GDF15 ausgesetzt sind, als sie es gewohnt sind", so Studienleiterin Marlena Fejzo von der University of Southern California.




Alternde Gesellschaft
Immer weniger Kinder? Das sind die Länder mit den niedrigsten Geburtenraten der Welt

Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachblatt "Nature" veröffentlicht. Hinweise, dass GDF15 ursächlich sein könnte, gab es bereits früher, wurden bisher aber nicht weitergehend untersucht.

Was sind die Symptome von Hyperemesis gravidarum?

Von Hyperemesis gravidarum betroffene Schwangere erbrechen sich mehr als fünf Mal am Tag, unabhängig davon, ob etwas im Magen ist oder nicht und unabhängig von der Tageszeit. Essen und Trinken wird zur Qual.

Wie viele Schwangere sind von der übermäßigen Übelkeit betroffen?

Die Zahl der betroffenen Schwangeren, die an Hyperemesis gravidarum leiden, wird auf 0,5 bis 2 Prozent geschätzt. Betroffen sind überwiegend junge, schlanke Frauen, die nicht rauchen und werdende Mütter, die Zwillinge erwarten. 

Ist Hyperemesis gravidarum gefährlich?

Wenn Mütter nicht mehr wollen
Antonia bereut das Muttersein: "Niemand spricht darüber, wie langweilig es sein kann, ein Kind zu haben"

Da die werdenden Mütter nichts bei sich behalten können, verlieren sie an Gewicht, manche erheblich. Ein Verlust von mehr als fünf Prozent des Körpergewichts durch Hyperemesis gravidarum ist nicht ungewöhnlich. Ebenso kämpfen die Schwangeren mit Dehydrierung.

Die Folgen sind unter anderem Mangelerscheinungen, Schwäche und Kreislaufprobleme. Bei lang anhaltender HG über die 20. Schwangerschaftswoche hinaus steigt auch das Präeklampsie-Risiko. HG ist die häufigste Ursache für die Einweisung von Frauen in ein Krankenhaus in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft.

Was nutzen die Erkenntnisse Betroffenen?

Bisher können Schwangere, die an Hyperemesis gravidarum leiden, wenig gegen die Symptome tun. Einerseits, weil viele Medikamente während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden dürfen, andererseits, weil die Ursache der Erkrankung nicht bekannt war. Die neuesten Erkenntnisse bieten nun einen Anknüpfpunkt für die Entwicklung entsprechender Medikamente. Denkbar wäre laut den Forschern die Gabe des Hormons vor einer Schwangerschaft oder ein Medikament, das die Wirkung von GDF15 im Gehirn blockiert.

Quellen: Nature, Uniklinik-Freiburg, Deutsche Hebammen Zeitschrift, Wissenschaft, BBC

Quelle: Den ganzen Artikel lesen