Die Zeit wurde vor ein paar Tagen umgestellt und noch immer sind Sie ständig müde? Das hat seinen Grund: Einige reagieren sehr empfindlich und fühlen sich, als hätten sie einen Mini-Jetlag. FOCUS online verrät Ihnen, was dagegen hilft.
Die Zeitumstellung ist schlecht für die Gesundheit. Diese Aussage klingt in Zeiten von Globalisierung, Fernreisen und Schichtarbeit fast spöttisch. Tatsächlich zeigen jedoch mehrere Untersuchungen, dass sich schon eine Stunde, wie wir sie am Wochenende „verloren“ werden, negativ auf den Biorhythmus auswirken kann.
Eine Studie der Universität Turku kam etwa zu dem Ergebnis, dass sich das Risiko für Schlaganfälle nach der Umstellung zur Sommerzeit erhöht. Die Experten verglichen die Daten von Schlaganfällen aus zehn Jahren in der Woche vor und nach der Zeitumstellung mit der Häufigkeit von Schlaganfällen zwei Wochen davor und danach.
Zeitumstellung hat Wirkung auf Gesundheit: Danach steigen Herzinfarkte um 25 Prozent
Auch die Zahl der Herzinfarkte soll sich nach der Umstellung auf die Sommerzeit erhöhen. Das zeigte 2014 eine Studie von Wissenschaftlern um Amneet Sandhu von der University of Colorado. Die Wissenschaftler hatten dafür die Daten einer Klinik in Michigan analysiert. Demnach hatte sich die Zahl der Herzinfarkte an dem Montag nach dem Wechsel zur Sommerzeit im Gegensatz zu anderen Montagen im Jahr um 25 Prozent erhöht. Dieselbe Studie fand heraus, dass die Zahl der Herzinfarkte um 21 Prozent nach der Zeitumstellung im Herbst sank.
Sandhu führte den negativen Effekt im Frühjahr auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurück, zum Beispiel den Stress einer neuen Arbeitswoche und die dazugehörigen Veränderungen im Schlaf-Wach-Zyklus. Während der Umstellung auf die Sommerzeit könne die Stunde weniger Schlaf das noch verstärken.
Auch Achim Kramer, Leiter des Arbeitsbereichs Chronobiologie an der Charité Berlin ist überzeugt: „Die Stunde bringt unsere innere Uhr schon durcheinander.“ Die innere Uhr steuert Stoffwechsel- und Entgiftungsprozesse sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus.
Zeitumstellung 2023: Mini-Jetlag kann bis zu zwei Wochen dauern
„Um eine etwa durch einen Flug verursachte Zeitverschiebung von einer Stunde auszugleichen, braucht der Körper normalerweise etwa einen Tag“, erklärt Kramer im Gespräch mit FOCUS Online.
Besonders Spättypen, die am Morgen schlecht aus dem Bett kommen, leiden eine oder zwei Wochen unter dem Mini-Jetlag durch die Stunde weniger. Andere sagen, sie würden sich gar nicht umstellen. Die Folge ist Kramer zufolge vor allem eingeschränkte Aufmerksamkeit. Studien haben ergeben, dass am Montag nach der Umstellung auf die Sommerzeit tatsächlich mehr Verkehrsunfälle passieren. Auch das belegen Studien.
Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit ist dabei herausfordernder als andersherum, wie Kneginja Richter sagt. Sie leitet die Schlafsprechstunde an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Paracelsus Privatuniversität (PMU) in Nürnberg. „Das kann man mit einer Flugreise nach Osten vergleichen, nach Japan zum Beispiel“, erklärt sie. „Diese Zeitumstellung ist ja für den Körper auch schwieriger als bei der Reise nach Westen.“ Die Folgen: Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Gereiztheit.
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Was hilft gegen die ständige Müdigkeit durch die Zeitverschiebung?
Zum Glück gibt es Methoden, mit denen sich die geklaute Stunde schneller und besser wegstecken lässt. Konkret empfiehlt die Expertin drei Dinge:
Wer besonders unter der Zeitumstellung auf Sommerzeit leidet
Neben den Spättypen, die morgens schwer aus dem Bett kommen, tun sich auch „die Eulen, die eher abends aktiv sind“, schwer mit der Zeitverschiebung, führt Richter aus. Ihnen geht durch die Umstellung besonders viel kostbare Schlafzeit verloren.
Ältere dagegen haben es nicht automatisch schwer mit der Zeitumstellung. Das ist eher eine Frage der Fitness, so Richter. „Wenn jemand sehr sportlich ist, kann sich der Körper schneller an neue Umstände anpassen. Das gilt auch für die Zeitumstellung.“
Mehr zum Thema Schlaf lesen Sie regelmäßig in der FOCUS-Online-Kolumne von Schlafpapst Hans-Günther Weeß:
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- Wenn Sie nicht gut schlafen können, missachten Sie mindestens eine dieser Regeln
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