Schwedische Ärztin leidet selbst unter Long Covid – nun attackiert sie ihre Regierung

Viele Menschen leiden teils Monate nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion noch unter Beeinträchtigungen. Experten sprechen in diesen Fällen von „Long Covid“. Betroffen war davon auch die schwedische Ärztin Lisa Norén. Sie kritisiert, dass die schwedische Regierung die Langzeitfolgen verharmlost.

Bereits in der ersten Welle im Frühjahr 2020 infizierte sich die schwedische Allgemeinmedizinerin Lisa Norén mit dem Coronavirus. Nachdem die Infektion bei ihr zunächst mild verlief, hatte sie noch Monate später mit den Folgen der Infektion zu kämpfen. Zusammen mit anderen Ärzten, die ebenfalls unter "Long Covid" litten, will sie mit der Initiative "Von Ärzten für Ärzte" über das Problem aufklären.

Lisa Norén litt noch Monate nach der Infektion unter Folgen

Im Interview mit dem "Spiegel" sprach sie nun über ihre Erfahrungen mit "Long Covid" und die fehlende Beachtung der Langzeitfolgen durch die Regierung. Zwei Wochen nach ihrer Infektion hatte sie plötzlich Fieber und Brustschmerzen, wie die Ärztin berichtet. Die Symptome klangen dann jedoch langsam ab. "Als es mir besser ging, glaubte ich, das müsse es gewesen sein", erzählt sie. Dann jedoch kamen die Schmerzen mehrfach zurück.

Als sie im September erneut Brustschmerzen bemerkte, bekam sie schließlich Angst und ließ sich erneut untersuchen. "Bei einem der Tests sollte ich in sechs Minuten so weit zu Fuß gehen wie möglich. Mein Puls raste hoch auf 150 Schläge durch bloßes Gehen!", erinnert sie sich. Bei einer Computertomografie wurde schließlich festgestellt, dass beim Atmen Luft in der Lunge zurückblieb.

Jeder Zehnte von "Long Covid" betroffen

Laut Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO hat etwa einer von zehn Covid-19-Patienten noch 12 Wochen nach der Infektionen mit den Folgen zu kämpfen. Andere Studie kommen zu dem Ergebnis, dass sogar noch mehr Erkrankte von "Long Covid" betroffen sind. Häufige Symptome sind dabei unter anderem Brust- und Muskelschmerzen, Müdigkeit oder Atemnot.

In Schweden schätzt Norén die Zahl der Betroffenen auf 100.000 bis 200.000 Menschen. Mit dieser Anzahl seien die medizinischen Einrichtungen überfordert, sagt die Medizinerin. "Die zuständigen Behörden müssen dringend etwas tun."

Sie kritisiert vor allem, dass die nationale Behörde für Volksgesundheit lange Zeit erklärt hätte, eine Coronavirus-Infektion sei für Personen, die keiner Risikogruppe angehören, nicht besonders gefährlich. "Von den Langzeitfolgen einer Infektion war keine Rede." Ein großes Problem sei demnach auch, dass das Risiko jüngerer Personen für "Long Covid" ebenfalls beträchtlich sei. "Ich glaube, dass die Krankheit alle Altersgruppen befallen kann, Pubertierende genauso wie Senioren", sagt Norén.

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Kritik an Schwedens Regierung:"Folgekrankheiten völlig außer Acht gelassen"

Es fehle, wie sie sagt, das Gefühl für die Dringlichkeit. Die Regierung habe "die langfristige Morbidität, also die durch das Virus verursachten Folgekrankheiten völlig außer Acht gelassen". Dadurch wäre unnötiges Leid entstanden. "Es gibt zu viele Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Krankenpfleger, die ihre Berufe nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben können."

Das habe nicht nur persönliche Folgen, sondern wirke sich auf das ganze Land aus. Schweden hatte in der Corona-Pandemie einen anderen Weg eingeschlagen, als die meisten europäischen Länder. Anstelle eines harten Lockdowns setzte die Regierung auf Abstandsregeln und auf das Tragen von Masken.

Auch die WHO fordert mittlerweile mehr Beachtung für die Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion. Diese seien für die Wissenschaft von "höchster Bedeutung". Die WHO sehe hier eine "klare Priorität", sagte der WHO-Direktor für Europa, Hans Kluge, am Donnerstag vor Journalisten in Kopenhagen. Alle Gesundheitsbehörden müssten ebenso verfahren, forderte er.

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