Er würde Virus nicht überleben: Landeschefin macht Impf-Ausnahme für 30-Jährigen wahr

Benni Over ist unheilbar krank. Als sich sein Zustand verschlechtert, befürchten seine Eltern das Schlimmste. Lange drängen sie auf eine vorgezogene Corona-Impfung, vergeblich. Dann wird doch geimpft. Eine Entscheidung mit Signalcharakter.

Obwohl der schwerstbehinderte Orang-Utan-Botschafter Benni Over nicht in der frühesten Gruppe für Impfung gegen Corona ist, sind er und seine Eltern schon immunisiert worden.

Sein Vater Klaus Over sagte am Mittwoch an seinem Wohnort in Niederbreitbach im Westerwald, zuvor habe es einen langen Kampf darum gegeben. "Wir haben auch Hilfeschreie an alle Abgeordneten aller Landtage und des Bundestags außer der AfD gesandt und viele Antworten bekommen."

Mehr als 2000 Politiker seien das gewesen. Zuvor hatte am Mittwoch die "Rhein-Zeitung" über die Impfung berichtet.

Telefonat mit Dreyer: "Hat sie bewegt, eine sofortige Impfung zu veranlassen"

Wegen der lebensgefährlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes seines an unheilbarer Muskeldystrophie leidenden Sohnes Benni (30) habe er sich an die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin gewandt, sagte Klaus Over.

"Wir haben schlussendlich mit Malu Dreyer telefoniert und sie hat Kenntnis von unserer Notsituation bekommen. Das hat sie bewegt, eine sofortige Impfung zu veranlassen", ergänzte Klaus Over.

Stiko-Impfempfehlung wurde aktualisiert mit Einzelfallentscheidungen

Regierungssprecherin Andrea Bähner teilte mit, Dreyer freue sich, "dass Einzelfallentscheidungen zur Impfung für Menschen mit seltenen, schweren Vorerkrankungen jetzt möglich sind. Dafür hat sich die Landesregierung eingesetzt. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) hat das jetzt in ihren neuen Empfehlungen aufgenommen."

Kurz vor Weihnachten hatten das Mainzer Gesundheitsministerium und der Ethikbeirat Corona-Schutzimpfungen Rheinland-Pfalz noch mitgeteilt, es könne leider keine Ausnahmen für Hochrisiko-Fälle außerhalb der vom Bund festgelegten Impfreihenfolge geben.

Höchste Priorität in der ersten Gruppe haben unter anderem über 80-Jährige, Mitarbeiter in Pflegeheimen und Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko etwa in Intensivstationen und Notaufnahmen.

Droht nun eine Klagewelle?

Einen Tag nach der Impfung von Benni Over wurde die Covid-19-Impfempfehlung der ständigen Impfkommission (STIKK) aktualisiert. Demnach können auch bundesweit Einzelfallentscheidungen möglich werden, wenn Gesundheitsminister Spahn der Empfehlung folgt.

Darin heißt es: "Bei der Priorisierung innerhalb der COVID-19- Impfempfehlung der Stiko können nicht alle Krankheitsbilder oder Impfindikationen berücksichtigt werden. Deshalb sind Einzelfallentscheidungen möglich."

Und weiter: "Es obliegt den für die Impfung Verantwortlichen, Personen, die nicht explizit genannt sind, in die jeweilige Priorisierungskategorie einzuordnen. Dies betrifft zum Beispiel Personen mit seltenen, schweren Vorerkrankungen, für die bisher zwar keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz bzgl. des Verlaufes einer COVID19-Erkrankung vorliegt, für die aber ein erhöhtes Risiko angenommen werden kann."

Diese Anpassung könnte laut "Tagesspiegel" nun allerdings erst recht dem Einklagen auf Impfungen den Weg bereiten.

Benni Over ist Träger des Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz

Benni Over und seine Eltern wurden am 7. Januar im für sie zuständigen Impfzentrum Oberhonnefeld-Gierend geimpft, wie Klaus Over mitteilte. Die zweite Impfung sei am 28. Februar geplant. Benni Over ist in häuslicher Pflege.

Er sitzt im Rollstuhl, kann nur noch seine Finger bewegen und wird seit vier Jahren beatmet. Eine Corona-Infektion würde er laut seinem Vater kaum überleben. Seine Therapeuten weigerten sich wegen der Ansteckungsgefahr inzwischen, zu Benni nach Hause zu kommen.

Benni hatte zuvor im Rollstuhl in Schulen auf die Bedrohung von Orang-Utans aufmerksam gemacht und zwei Bücher und einen Trickfilm über die Menschenaffen mitgestaltet.

Vom Land Rheinland-Pfalz wurde ihm für sein Engagement für Klima- und Orang-Utan-Schutzprojekte bereits der Verdienstorden verliehen – überreicht hat ihn Malu Dreyer.

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