Eine vierte Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer bewahrt Menschen ab 60 Jahren nicht lange vor einer Infektion, doch sie senkt, laut einer Studie aus Israel, das Risiko eines schweren Sars-CoV-2-Verlaufs deutlich.
Bereits vier Wochen nach der zweiten Auffrischungsimpfung ließ der Schutz vor einer Corona-Infektion nach, wie die Forschenden in ihrer Studie, die im Fachblatt "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, berichten. Das Forschungsteam wertete die Daten des israelischen Gesundheitsministeriums von mehr als 1,25 Millionen Menschen über 60 Jahren von Januar bis März 2022 aus. In diesem Zeitraum war die Omikron-Variante vorherrschend.
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In der Untersuchung wurden dabei die Zahl der Corona-Infektionen und der schweren Verläufe bei Menschen, die dreifach gegen das Coronavirus geimpft waren, mit denen verglichen, die bereits eine vierte Impfdosis erhalten haben. Die zweite Auffrischungsimpfung musste mindestens acht Tage zurückliegen. Eine weitere Voraussetzung: In der Studie wurden ausschließlich die Daten von Menschen analysiert, die bei allen Impfungen das Mittel von Biontech/Pfizer erhielten. Außerdem analysierten die Wissenschaftler:innen auch die Daten einer weiteren Kontrollgruppe.
Schutz vor schweren Verläufen
Das zentrale Ergebnis: Eine vierte Impfung liefert nach den Daten aus Israel nur kurzzeitig einen höheren Schutz vor Infektionen als drei Impfungen. Doch mit einer vierten Impfdosis scheinen ältere Menschen besser vor schweren Verläufen geschützt: Über den gesamten Studienzeitraum von sechs Wochen war die Zahl der schweren Sars-CoV-2-Fälle bei den vierfach Geimpften 3,5-mal niedriger als bei den bisher erst dreimal Geimpften. Die Untersuchung belege die Schutzwirkung vor einer schweren Erkrankung mit der Omikron-Variante, heißt es in der Studie. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, um herauszufinden, wie lange dieser Schutz anhält.
In einer anderen Studie im Preprint aus Israel kommen Forschende zu dem Ergebnis, dass bei älteren Menschen ab 60 Jahren, die bereits ihre vierte Impfdosis erhielten, die Sterblichkeit aufgrund von Covid-19 um 78 Prozent niedriger ist, als bei den dreifach Geimpften.
In Israel wurde bereits Anfang des Jahres damit begonnen, über 60-Jährige mit einer vierten Dosis gegen das Coronavirus zu impfen. Mitte Januar hatte der Expertenrat dort die zweite Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren empfohlen. Erst in der letzten Woche hatte die Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) in den USA ihre Empfehlungen geändert und für alle ab 50 Jahren eine vierte Impfung vier Monate nach der dritten Dosis mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna empfohlen.
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) seit Mitte Februar die vierte Dosis bisher nur allen Menschen ab 70 Jahren. Die Empfehlung gilt auch für gesundheitlich gefährdete Menschen, medizinisches Personal und Bewohner:innen von Pflegeheimen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach wirbt seit Ende März für eine zweite Auffrischung für alle ab 60 Jahren.
Quellen: Stiko, FDA, New England Journal of Medicine, Preprint Israel
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