Die Coronavirus-Pandemie hält Deutschland fest im Griff: Der bundesweite Lockdown ist in Kraft. Die in Großbritannien aufgetauchte Corona-Variante versetzt Europa derweil in Sorge. Auch Deutschland erlässt für Mitternacht ein Landeverbot für Flugzeuge von dort. Alles Wichtige zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.
Topmeldungen zur Corona-Pandemie am 21. Dezember
- Neue Virus-Variante breitet sich immer weiter aus (06.12 Uhr)
- Chaos an deutschen Flughäfen, britische Reisende abgefangen (06.05 Uhr)
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Neue Virus-Variante breitet sich immer weiter aus – Cluster in Australien entdeckt
07.26 Uhr: Die besonders in Südengland verbreitete Virus-Mutation greift weiter um sich: Der australische Bundesstaat New South Wales hat nun bestätigt, dass der Virus-Stamm auch bei einem Cluster im Norden der Metropole Sydney entdeckt wurde. Bisher gebe es 83 Fälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch. Außerhalb Großbritanniens waren zuvor auch Fälle der Virus-Mutation in Dänemark, in den Niederlanden und in Italien gemeldet worden. In Deutschland wurde die Mutation laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch nicht nachgewiesen.
Chaos an deutschen Flughäfen, britische Reisende abgefangen
Montag, 21. Dezember, 06.05 Uhr: Wegen der neuen Variante des Coronavirus ist die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien an mehreren deutschen Flughäfen am Sonntagabend zunächst gestoppt worden. Ab Mitternacht untersagte Deutschland ohnehin Flüge aus dem Vereinigten Königreich.
In Hannover betraf das am Abend 63 Passagiere eines Flugs aus London. Es wurden Vorbereitungen für Notübernachtungen am Flughafen getroffen. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, eine Frau wolle nach London zurückfliegen, alle anderen müssten sich einem sogenannten PCR-Test unterziehen. Bis zum Vorliegen des Testergebnisses müssten sie auf dem Flughafengelände bleiben, erklärte eine Sprecherin der Region Hannover. Sie rechne damit, dass die Ergebnisse am Montag vorliegen, das stehe aber nicht fest.
Nach Angaben des Flughafens Hannover wurden im Terminal D Feldbetten aufgebaut, die Passagiere werden dort auch verpflegt. "Unser Ziel ist, zu verhindern, dass die neue Virusart unbemerkt nach Niedersachsen einzieht", sagte Andreas Kranz, Leiter des Fachbereichs Öffentliches Gesundheitswesen der Region Hannover.
In Stuttgart wurden am Abend gelandete Flugreisende aus London in Kleingruppen ins Corona-Testzentrum des Flughafens gebracht und dort getestet, wie ein Sprecher sagte. Anschließend hätten sie – sofern das Ergebnis negativ war – ihr Gepäck holen und nach Hause fahren dürfen, sie müssten sich dort aber in Quarantäne begeben. Um wie viele Passagiere es sich handelte, war nicht bekannt.
Die Bundespolizei teilte in Stuttgart allgemein mit, dass den am Sonntag noch Gelandeten ein Corona-Test angeboten werde und sie auf die bestehenden bekannten Quarantäneregelungen der Bundesländer hingewiesen würden. "Wir wissen um die daraus entstehenden Unannehmlichkeiten für die Reisenden, gerade jetzt im Weihnachtsverkehr", hieß es. "Alle Partner arbeiten mit Hochdruck daran, eine sichere Einreise zu gewährleisten, gleichzeitig aber auch die Passagiere nicht über Gebühr zu beanspruchen."
Der Berliner Korrespondent der englischen Wochenzeitung "The Economist", Tom Nuttall, war offensichtlich ebenfalls an Bord einer Maschine aus Großbritannien in Berlin gelandet und berichtete auf Twitter Ähnliches. Die Polizei habe den Passagieren mitgeteilt, dass sie getestet würden: Wer ein negatives Ergebnis habe, werde nicht zurückgeschickt.
Einreiseverbot nach Frankreich: Eurotunnel und Hafen Dover dicht
23.20 Uhr: Großbritannien wird wegen der raschen Ausbreitung der neuen Variante des Coronavirus immer weiter vom Festland abgeschnitten. Weil Frankreich die Grenzen zum Vereinigten Königreich dicht gemacht hat, wurden der wichtige britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel geschlossen. Frachtverkehr als auch Passagiere würden gebeten, nicht mehr anzureisen, teilte der Hafen am Sonntagabend bei Twitter mit. Diese Beschränkungen seien für mindestens 48 Stunden von Mitternacht an in Kraft. Der letzte Zug von Großbritannien durch den Tunnel nach Frankreich fuhr am Sonntagabend in London ab, wie der Betreiber Getlink mitteilte.
Premierminister Boris Johnson berief für diesen Montag ein Krisentreffen seiner Regierung ein. Ein "steter Fluss von Fracht" aus und nach Großbritannien müsse sichergestellt werden.
Wegen der Schließung der wichtigen Verbindungen wird der Druck vor allem auf den Frachtverkehr zwischen Großbritannien und der EU noch stärker zunehmen. Ohnehin kommt es seit Wochen auf den Autobahnen Richtung Dover und dem Eurotunnel zu langen Staus. Grund sind das hohe Aufkommen zu Weihnachten, aber auch größere Lieferungen von medizinischem Material wegen der Corona-Pandemie. Zudem versuchen viele Unternehmen, vor Ablauf der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember ihre Lagerbestände aufzufüllen.
Der britische Logistikverband UK Logistics teilte auf Twitter mit, das Einreiseverbot sei bekannt. "Wir sind besorgt über das Wohlergehen der Fahrer." Man versuche mit Hochdruck, an mehr Informationen zu kommen. Der Lebensmittel- und Getränkeherstellerverband Food and Drink Federation warnte vor Engpässen bei frischen Lebensmitteln zu Weihnachten.
Wegen der neuen hoch ansteckenden Variante des Coronavirus hatte auch Frankreich ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien verhängt. Das Verbot gelte für alle Grenzübergänge auf dem Luft-, See-, Schienen- und Landweg aus dem Vereinigten Königreich. Nur der unbegleitete Frachtverkehr sei genehmigt.
Auch Schweiz kappt Flugverkehr mit Großbritannien und Südafrika
22.47 Uhr: Die Schweiz stellt wegen der neu entdeckten Coronavirus-Mutation die Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika ab Mitternacht ein. Das teilte das Bundesamt für Zivilluftfahrt am späten Sonntagabend mit. "Damit reagiert die Schweiz auf das Auftauchen einer neuen Variante des Coronavirus, die nach ersten Erkenntnissen deutlich ansteckender ist als die bekannte Form", hieß es von der Behörde.
Mit Flugverboten oder Grenzschließungen zu Großbritannien und teils auch Reisebeschränkungen nach Südafrika haben am Sonntag unter anderem auch Deutschland und mehrere andere Staaten in Europa reagiert. Nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler ist die in Südengland entdeckte Variante des Virus um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form.
Bundesländer melden 18.344 Neuinfektionen – fast 5000 mehr als vor eine Woche
21.51 Uhr: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus bleibt in Deutschland auf einem hohen Niveau. Von Samstag auf Sonntag meldeten die 16 Bundesländer in Summe 18.344 Neuinfektionen (Stand: 20.12., 21.30 Uhr) – das sind 4.860 Fälle mehr als vergangenen Sonntag.
Die Zahl der Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie stieg somit auf 1.502.125 Personen. Der Corona-Hotspot Sachsen meldete am Sonntag erneut keine neuen Zahlen. dpa/Julian Stratenschulte/dpa Passanten laufen durch die beinahe menschenleere Innenstadt von Hannover.
Von Samstag auf Sonntag kamen in Deutschland zudem 252 neue Todesfälle hinzu (Vergleich: 147 am vergangenen Sonntag). Insgesamt sind somit seit Beginn der Pandemie nach Berechnungen von FOCUS Online 26.535 Menschen in Deutschland gestorben. Die Reproduktionszahl lag laut Robert-Koch-Institut am Sonntag deutschlandweit bei 1,09 (Vortag: 1,05) und schwankt somit weiter leicht über dem Wert von 1,0.
Sie finden hier die aktuell gemeldeten Zahlen der Gesundheitsministerien der Länder.
- Baden-Württemberg: 212.213 (+2363), 3968 Todesfälle (+30)
- Bayern: 287.456 (+3922), 5655 Todesfälle (+83)
- Berlin: 87.077 (+516), 1007 Todesfälle (+6)
- Brandenburg: 35.738 (+707), 753 Todesfälle (+20)
- Bremen: 12.607 (+151), 171 Todesfälle (+3)
- Hamburg: 32.429 (+309), 452 Todesfälle (+0)
- Hessen: 120.716 (+2019), 2121 Todesfälle (+36)
- Mecklenburg-Vorpommern: 9802 (+134), 119 Todesfälle (+2)
- Niedersachsen: 94.692 (+1344), 1643 Todesfälle (+12)
- Nordrhein-Westfalen: 349.450 (+4274), 5209 Todesfälle (+32)
- Rheinland-Pfalz: 63.561 (+966), 1062 Todesfälle (+6)
- Saarland: 18.126 (+187), 388 Todesfälle (+1)
- Sachsen: 102.190 (+0), 2128 Todesfälle (+0)
- Sachsen-Anhalt: 23.052 (+460), 393 Todesfälle (+8)
- Schleswig-Holstein: 20.837 (+157), 324 Todesfälle (+0)
- Thüringen: 32.176 (+835), 679 Todesfälle (+13)
Gesamt (Stand 20.12., 21.30 Uhr): 1.502.125 (+18.344), 26.535 Todesfälle (+252)
Vortag (Stand 19.12., 20.45 Uhr): 1.483.781 (+25.711), 26.283 Todesfälle (+502)
Quelle zu Infizierten- und Todeszahlen: Landesgesundheits- und Sozialministerien.
Die Zahl der Genesenen liegt laut Robert-Koch-Institut in Deutschland bei rund ca. 1.097.400 (+11.900)
Die Zahl der aktiven Fälle liegt damit bei: 378.190 (Vortag: 372.498 )
Aktuell vom RKI gemeldete Reproduktionszahl (Stand: 20.12.): 1,09 (Vortag: 1,05)
Zahl der Intensivbetten laut DIVI-Intensivregister, die von Covid-19-Patienten belegt werden: 5030 (+91)
Zahl der aktuell invasiv beatmeten Covid-19-Patienten: 2651 (+46)
Tschechien stoppt Flüge aus Großbritannien ab Montag
21.45 Uhr: Auch in Tschechien dürfen ab Montag wegen einer Coronavirus-Mutation keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr landen. Wie das Gesundheitsministerium in Prag auf Twitter bekannt gab, sollen gleich am Morgen alle damit zusammenhängenden Maßnahmen offiziell verkündet werden. Die tschechische Regierung schließe sich damit den Entscheidungen mehrerer anderer europäischer Staaten an, hieß es in dem Tweet.
Am Sonntagnachmittag hatte die Nachrichtenagentur CTK den liberal-populistischen Regierungschef Andrej Babis mit den Worten zitiert, die Regierung werde am Montag über ein Landeverbot beraten, die Entscheidung werde vom Gesundheitsministerium abhängen.
Neue Virus-Mutation jetzt auch in Italien nachgewiesen
20.49 Uhr: Eine Mutation des Coronavirus breitet sich in Europa weiter aus: Die neue in Großbritannien entdeckte Corona-Variante ist erstmals auch bei einem Patienten in Italien nachgewiesen worden. Das berichtet die italienische Nachrichtenseite "La Repubblica". Das italienische Gesundheitsministerium bestätigte die Infektion. Demnach wurde bei einem Patienten im Militärkrankenhaus Celio in Rom ein positives Corona-Testergebnis mit der in Großbritannien entdeckten Mutation des Virus festgestellt.
Die Person war mit ihrem Partner laut dem Bericht "in den letzten Tagen" mit einem Flug aus Großbritannien nach Rom zurückgekehrt und am italienischen Hauptstadtflughafen Fiumicino gelandet. Die wissenschaftliche Abteilung des Militärkrankenhauses habe das Genom des Coronavirus genauer untersucht, berichtet "La Repubblica". Dabei sei die in Großbritannien entdeckte Mutation des Virus nachgewiesen worden.
Ersten Erkenntnissen zufolge ist die neue Corona-Variante besonders ansteckend. Mehrere europäische Länder haben deswegen bereits den zivilen Reiseverkehr mit Großbritannien eingeschränkt oder gestoppt.
Neue Corona-Variante: Frankreich verhängt Einreiseverbot
20.25 Uhr: Wegen der neuen hoch ansteckenden Variante des Coronavirus verhängt Frankreich ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien. Das Verbot gelte für alle Grenzübergänge auf dem Luft-, See-, Schienen- und Landweg aus dem Vereinigten Königreich. Nur der unbegleitete Frachtverkehr sei genehmigt, teilte am Sonntag der Amtssitz des französischen Premierministers nach einer Sitzung des von Staatschef Emmanuel Macron per Video geleiteten Verteidigungsrates mit. Der Einreisestopp soll ab Mitternacht und zunächst 48 Stunden dauern. Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
Mit Flugverboten oder Grenzschließungen haben am Sonntag unter anderem auch Deutschland, die Niederlande und Belgien reagiert. Frankreichs Präsident Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, hatten zuvor in einem Telefonat ein gemeinsames Vorgehen angesichts der neuen Variante des Coronavirus erörtert.
Spahn und Drosten: Neue Virus-Variante bislang nicht in Deutschland nachgewiesen
18.54 Uhr: Die Bundesregierung ist besorgt wegen der in Großbritannien und Südafrika aufgetretenen neuen Variante des Coronavirus. "Es ist bis jetzt nicht in Deutschland nachgewiesen worden, aber wir nehme natürlich die Meldungen aus Großbritannien, aus dem Vereinigten Königreich sehr ernst", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntagabend im ARD-"Bericht aus Berlin". "Die deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie in diesem Fall vermutet wird, die würde natürlich viel verändern und deshalb ist es wichtig, den Eintrag nach Deutschland, auf Kontinentaleuropa zu unterbinden." Es sei wichtig, die Erkenntnisse über die Virusvariante zu verifizieren und zugleich vorausschauend zu agieren. dpa Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, gibt in seinem Ministerium eine Pressekonferenz zur Impfstrategie der Bundesregierung.
Wegen der neuen Virusvariante werden Flüge von Großbritannien nach Deutschland ab Mitternacht untersagt, wie aus einer Verfügung des Bundesverkehrsministeriums von Sonntag hervorgeht. Dazu soll am Montag noch eine Verordnung folgen, die dann außerdem auch alle Einreisen aus Südafrika einschränkt, wie Spahn ankündigte.
Der Minister wunderte sich sehr darüber, dass offenbar viele Deutsche ihren Weihnachtsurlaub in Südafrika verbringen. Er frage sich, ob diese Menschen die Botschaften nicht gehört hätten, nicht zu reisen und die Kontakte einzuschränken, sagte Spahn.
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